







Skitouren in Österreich
Skitouren sind in Österreich zwei verschiedene Dinge. Entweder steigen Sie auf einer markierten Route im Skigebiet auf, oder Sie gehen ins freie Gelände.
Für Ersteres gibt es ausgeschriebene Regeln und Zeiten, die der Seilbahnbetreiber festlegt. Letzteres erfordert Lawinenausrüstung, Übung und Kenntnis der aktuellen Lage.
Ausrüstung: Was der Alpenverein als Standard betrachtet
Der Österreichische Alpenverein nennt als Standard-Notfallausrüstung LVS-Gerät, Schaufel und Sonde, dazu Erste-Hilfe-Set, Biwaksack und Mobiltelefon. Die europäische Notrufnummer ist 112.
- Die Sonde bildet laut Alpenverein mit LVS-Gerät und Schaufel eine untrennbare Einheit. Zwei von drei Teilen reichen nicht.
- Er empfiehlt LVS-Geräte mit Drei-Antennen-Technologie und Metallschaufeln.
- Ein Lawinenairbag erhöht laut Alpenverein die Überlebenschance.
- Der LVS-Check vor jeder Tour ist laut Alpenverein eine grundlegende und einfache Maßnahme.
Die Zahl, um die es bei all dem geht: Kameradenrettung mit kompletter Ausrüstung dauert laut Alpenverein 11 Minuten. Ohne Schaufel oder Sonde vervielfacht sich diese Zeit.
Lawinenwarnstufe: wo Unfälle wirklich passieren
Die Europäische Lawinengefahrenskala hat fünf Stufen. Der Alpenverein gibt dazu an, wie oft sie ausgegeben werden und welcher Anteil der Todesopfer auf sie entfällt.
- 1 – gering. Etwa ein Fünftel des Winters, etwa 3 % der Todesopfer.
- 2 – mäßig. Etwa die Hälfte des Winters, etwa 25 % der Todesopfer.
- 3 – erheblich. Etwa ein Drittel des Winters, aber etwa 60 % der Todesopfer. Schon eine geringe Zusatzbelastung löst eine Lawine aus.
- 4 – groß. Nur wenige Tage pro Winter, etwa 10 % der Todesopfer.
- 5 – sehr groß. Katastrophenlawinen, für Skitouren ist diese Stufe nicht relevant.
Die Drei ist also keine Stufe, bei der man ohne Nachdenken losgehen kann. Auf sie entfällt die Mehrheit der Todesopfer, weil sie oft ausgegeben wird und die Leute dabei unterwegs sind.
Der Alpenverein unterscheidet fünf Lawinenprobleme: Neuschnee, Triebschnee, Altschnee, Nassschnee und Gleitschnee.
Hangneigung und die Methode Stop or Go
Der Alpenverein nennt zwei Regeln, die man sich merken sollte: Ab 30° Hangneigung sind Spitzkehren nötig, und felsdurchsetztes Steilgelände ist mindestens 40° steil.
- Mäßig steil ist ein Hang unter 30°, steil 30–34°, sehr steil 35–39°, extrem steil ab 40°.
- Die durchschnittliche Hangneigung bei skifahrerausgelösten Lawinen liegt laut Alpenverein knapp unter 40°.
Kern der Methode Stop or Go© ist genau die Verknüpfung von Gefahrenstufe und Hangneigung. Der Alpenverein gibt an, dass sich so etwa 80 % der Lawinenunfälle vermeiden ließen.
Die häufigste Unfallursache ist dabei keine Lawine
Der Alpenverein sagt es direkt: Die häufigste Unfallursache auf Skitouren sind Stürze bei der Abfahrt.
- Kleine Gruppen bis sechs Personen sind laut Alpenverein sicherer, ideal sind etwa vier.
- Im Steilgelände wird mit 10 m Abstand aufgestiegen.
- Bei der Abfahrt beträgt der Abstand mindestens 30 m, in sehr steilen Hängen fährt man einzeln.
Aufstieg auf der Piste: zehn Regeln
Der Alpenverein gibt sie gemeinsam mit dem Kuratorium für Alpine Sicherheit heraus:
- Warnschilder und lokale Regelungen beachten.
- Sperrungen einer Piste oder eines Pistenteils respektieren. Grund sind meist Pistengeräte, Seilwinden und Lawinensprengungen.
- Nur am Pistenrand und hintereinander aufsteigen.
- Die Piste nur an übersichtlichen Stellen und mit ausreichendem Abstand queren.
- Frisch präparierte Pisten nur am Rand befahren.
- Die Pisten bis 22:30 Uhr verlassen oder bis zu einer anderen Uhrzeit, die der Seilbahnbetreiber festlegt.
- Sichtbar sein – Stirnlampe, reflektierende Kleidung.
- Wo Aufstiegsrouten markiert sind, nur diese benutzen.
- Keine Hunde auf die Pisten mitnehmen.
- Auf den vorgesehenen Parkplätzen parken und Parkgebühren bezahlen.
Pisten sind gesperrt, sofern nicht anders angegeben
Das schätzen tschechische Skitourengeher oft falsch ein. Ski amadé schreibt es auf seiner Website wörtlich: Die Pisten sind bei Tag und Nacht für Skitourengeher ausnahmslos gesperrt. Ausnahmen sind nur ausgewiesene und markierte Aufstiegsrouten.
- Ski amadé nennt davon über 30 in den Regionen 12 Gipfel Skiregion, Schladming-Dachstein, Gastein und Hochkönig.
- Zur Nutzung der Route berechtigt ein Skitourenticket oder jeder gültige Skipass.
- Die Aufstiegsspur darf nur während der Öffnungszeiten der Pisten benutzt werden.
- Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Der Betreiber bewacht und kontrolliert die Route nicht.
Die Preise sind die zuletzt veröffentlichten, aus der Saison 2025/26. Ski amadé nennt die Karte ALL-IN Pistentouren für 284,00 € mit Gültigkeit vom 11. 10. 2025 bis 3. 5. 2026. Gastein nennt für dieselbe Karte 275,00 €, prüfen Sie den Preis also vor dem Kauf.
Gastein selbst verkaufte in der Saison 2025/26 ein Skitouren-Tagesticket für 17,00 € und eine eigene Karte Pistentouren ALL-In Gastein für 180,00 €, gültig vom 28. 11. 2025 bis 1. 5. 2026. Das Ticket umfasst Parkplatz, erste Seilbahnsektion, Abfahrt und Infrastruktur.
Skigebiete mit ausgeschriebenen Zeiten und Routen
Die Hochwurzen bei Schladming hat die genaueste Regelung aller österreichischen Skigebiete:
- Aufstieg von 19:00 bis 23:00 Uhr über Piste 33, auf der linken Seite.
- Abfahrt ebenfalls über Piste 33 bis zur Talstation.
- Zwischen 16:00 und 19:00 Uhr ist der Aufstieg über Piste 33 nicht erlaubt.
- Die übrigen Pisten sind für den Aufstieg von 16:00 bis 8:30 Uhr wegen Präparierung und Seilwinden gesperrt.
Im selben Skigebiet führen Routen auch auf die Planai über den WM-Pfad via Lärchkogel zum Gipfel auf 1 906 m Seehöhe, auf die Hochwurzen zur Bergstation auf 1 852 m und auf den Fastenberg.
SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental veröffentlicht keine Routen und keine Abendzeiten. Dort gilt, dass nur am Pistenrand und hintereinander aufgestiegen wird und dass Aufstiege im Skigebiet außerhalb der Saison komplett verboten sind.
Serfaus-Fiss-Ladis listet Routen mit Länge und Höhenunterschied auf. Die längsten sind Frommes mit 7,1 km und 1 010 m Höhenunterschied, etwa drei Stunden, und Frommes-Ladis mit 8,3 km und 1 260 m Höhenunterschied, etwa dreieinhalb Stunden. Kürzer sind Steinegg mit 4,9 km und 440 m, Waldbahn mit 3,5 km und 420 m oder Leithe Wirt mit 2,9 km und 240 m.
Ronachkopf über Zell am See ist eine Route für Einsteiger und Fortgeschrittene: 2,5 km, 500 m Höhenunterschied, ein bis eineinhalb Stunden. Sonntags schließt sie um 17:00 Uhr. Der Betreiber nennt die Saison je nach Schnee etwa von Anfang Dezember bis Mitte April, ohne Jahresangabe.
Dreiländereck bei Arnoldstein in Kärnten veranstaltet einmal pro Woche abendliche Skitouren-Aufstiege. Das Skigebiet hat 15 km Pisten und liegt am Dreiländereck von Österreich, Italien und Slowenien.
Sportberg Goldeck lässt Skitourengeher täglich ab 7:15 Uhr auf die Piste S1, bis 10:30 Uhr haben sie sie für sich allein. Das Ticket kostet 13 €; der Betreiber nennt zu diesem Preis keine Saison.
Bad Kleinkirchheim öffnet die Brunnachabfahrt für Vollmond-Aufstiege von 16:30 bis 22:00 Uhr kostenlos. In der Saison 2025/26 war das am 5. Dezember, 3. Januar, 1. Februar und 3. März; die Termine für den nächsten Winter wurden noch nicht veröffentlicht.
Wo man die Suche üben kann
- Stubaier Gletscher – Übungsfeld für die Verschüttetensuche beim Gamsgarten, laut Betreiber ausdrücklich kostenlos. Am Eisgrat und am Gamsgarten gibt es auch Freeride Checkpoints mit LVS-Check.
- Falkert in den Nockbergen – der erste Kärntner Skitouren-Lehrpfad, kostenlos, sechs Abschnitte und ein ständiges PIEPS-Übungsfeld.
- Sportberg Goldeck – Millet Rise Up Parcours, 362 Höhenmeter und acht Stationen.
- Silvretta Montafon – LVS-Checkpoints am Grasjoch, an der Hochalpila, am Versettla und an der Rinderhütte, am Grasjoch ein ständiges PIEPS-Suchfeld.
- Innerkrems in den Nockbergen – Übungs-Skitourenroute und Lawinen-Übungsfeld, kostenlos für Übernachtungsgäste mit der Winter-Bonuscard.
Lawinenlagebericht und Notrufnummern
Den Lawinenlagebericht geben die einzelnen Bundesländer heraus, jedes für sein Gebiet. Der Kärntner Lawinenwarndienst veröffentlicht die Prognose um 17:00 Uhr für den Folgetag und aktualisiert sie um 8:00 Uhr für den laufenden Tag.
Lesen Sie ihn am Tag der Tour, nicht am Vortag. Der Stubaier Gletscher fügt einen Satz hinzu, den man sich merken sollte: Der erste schöne Tag nach Schneefall ist besonders unfallträchtig.
Notrufnummern in Österreich: 140 Bergrettung, 144 Rettung, 112 Euronotruf.
Wo übernachten
Unterkünfte am Ausgangspunkt der Aufstiege haben wir unten für Sie ausgewählt. Sehen Sie sich auch unsere Orte Innerkrems und Bergbahnen Dreiländereck an.
Anfragen und Reservierungen: rakousko@rakousko.cz, Tel. +420 776 453 111
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