© Christian Kapfinger
© Bildarchiv SkiWelt
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SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental

Ein Skigebiet auf der grünen Welle. In Tirol geht man mit dem Schneemangel eigene Wege.


Recht gut erreichbar und damit ohne die nie endenden Fragen der Kinder von der Rückbank des Autos: 

„Sind wir schon da?“ – das ist das Skigebiet SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental. 

Es liegt in Osttirol nahe dem bekannten Kitzbühel und ist von Prag aus mit dem Auto auch mit Pausen in fünf Stunden zu erreichen. 

Da stört es wohl niemanden, hier nur ein verlängertes Wochenende zu verbringen, wenn er nicht einen großen Teil seiner freien Zeit auf der Fahrt verliert.


Die gemeinsame Geschichte der Region begann vor vierzig Jahren. Das Gebiet rund um die Tiroler Gipfel, von denen der höchste, die Hohe Salve, mehr als 1800 Meter über dem Meer misst, war für Wintersportler nahezu unbekannt. Heute sind die verbundenen Täler mit ihren neun Gemeinden, die im Grunde einen geschlossenen Rundkurs bilden, oft ein Vorbild für andere. 

Darin haben breite Pisten aller Schwierigkeitsgrade Platz – bequeme Abfahrten für ruhige Schwünge wechseln mit steilen Hängen und Buckelpisten, Funparks für Snowboarder oder Freeride.


Von der Hohen Salve nach Itter lassen sich neun Kilometer Strecke mit 1123 Metern Höhenunterschied nutzen. Ins Tal gelangen Skifahrer jedenfalls auf 21 Wegen und können jeden Tag ihren eigenen so wählen, dass sie keine Seilbahn und keine Piste zweimal fahren. Es sei denn, sie wollen es selbst. 

Die erste Seilbahn wurde im Brixental übrigens schon 1947 gebaut, im selben Jahr entstand dann im benachbarten Hopfgarten die längste   Sesselbahn der Welt. 


Einen Rekord hält Brixen im Thale auch im 21. Jahrhundert: 2008 nahm man hier die erste Seilbahn 

mit Solarantrieb der ganzen Welt in Betrieb. Der Aufbau des gemeinsamen Skigebiets begann sehr bescheiden in den siebziger Jahren.

Vorangebracht hat ihn erst die Idee, alle eigenständigen Organisationen und Familien, denen die Seilbahnen gehörten, zusammenzuschließen und die ersten gemeinsamen Skipässe auszugeben. Heute zählt die SkiWelt damit zu den größten und modernsten Skigebieten der Welt. 

Etwas hat das aber gekostet: Seit 1977 wurden hier mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert.


Das Wintersportgebiet setzt vor allem auf die grüne Welle. 

Ökologie wird hier in allen Facetten durchbuchstabiert. Als in den neunziger Jahren mehrere Winter mit wenig Schnee vergingen, begannen die Betreiber, die ersten Beschneiungsanlagen anzugehen. Heute stehen hier fünfzehn Speicherteiche zur Verfügung, fast unsichtbar in die Landschaft gesetzt, in die im Sommer der schmelzende Schnee „zurückkehrt“ und die auch der normale Niederschlag füllen hilft.


Hundert Prozent des Stroms, der für den Betrieb des Gebiets und für die Erzeugung von technischem Schnee nötig ist, stammen aus grüner Wasserkraft. 

Vom Sonnenlift mit Solarenergie war bereits die Rede, Solarpaneele sind an vielen Gebäuden zu sehen. Geheizt wird oft mit Pellets, genutzt werden ein Biomasse-Heizkraftwerk oder die Restwärme der Beschneiungsanlagen.


Die Pistenraupen, von denen jede Nacht etwa fünfundsechzig auf die 284 Kilometer Pisten hinausfahren, arbeiten hier mit einem GPS-System zur Schneemessung und präparieren nur das, was nötig ist, wodurch sie wieder viel Energie sparen. Die Investition in das System verschlang eine halbe Million Euro. Für bessere Leistungen und Infrastruktur für Skifahrer gibt das Gebiet jährlich Millionen Euro aus.


In der Saison kommen bis zu 50.000 Menschen pro Tag durch das Gebiet, neben dem Skifahren wollen die Betreiber sie auch mit dem „Eiskönigreich“ am Hochbrixen locken. Jedes Jahr entstehen rund zwanzig Iglus so, dass ein Ballon aufgeblasen, davor eine Schneekanone aufgestellt wird und es schneit. 

Das allerdings nur, wenn es kalt genug ist. Kunstschnee eignet sich für den Bau nämlich besser als natürlicher, doch warme Nächte sind den Schneekanonen wenig zuträglich. 


In den kleineren Eis-Iglus können hartgesottene Interessenten übernachten, zu haben ist auch eine „Hochzeitssuite“ in romantischer Eisversion mit Champagner und herzförmigen Kissen. 

„Kälte und Auskühlen drohen nicht, das Iglu ist mit dicken Matratzen, extra warmen Schlafsäcken, Decken, Fellen ausgestattet, kurz mit allem, was die Nacht angenehm machen soll“, sagt die Führerin Anita. Auf die Toilette müssen die Übernachtungsgäste allerdings woanders. 


Das große zentrale Iglu, dessen Wände 2,5 Meter dick sind, dient als Bar und Restaurant mit eisigen Tischen, die ein riesiges Eisstück von bis zu 120 Kilo bildet, und mit Bänken. In einem weiteren sind Wald- und Haustiere aus Eis gehauen, ein kleiner Eiszoo zum Thema Tiroler Dorf.


An all der Eisbildhauerei ist auch der vierzigjährige tschechische Bildhauer Jiří Kašpar beteiligt, der jeden Winter in die SkiWelt zurückkehrt. 

Blau gefärbt ist dann die Kapelle, die mit Meißel und Säge aus der Eismasse geschaffen wird. Wie Anita bestätigt, sind für diesen Winter bereits drei Hochzeiten geplant. Daneben können müde Skifahrer oder Nichtskifahrer zwei beleuchtete und künstlich beschneite Rodelbahnen nutzen. 

Es fehlen auch weitere Attraktionen nicht, etwa Fahrten im Pferdeschlitten, 

Schneeschuhwanderungen, Paragliding, Snowtubing, Eislaufplatz und vieles mehr.


Die geballten Osttiroler Erlebnisse müssen sich aber nicht nur im Winter abspielen. Die sommerliche Alpenwelt gehört längst nicht mehr zu den Außenseitern unter den Urlauben. Hier lassen sich so viele verschiedene Superlative erleben: zum Beispiel die älteste Bergerlebniswelt der Alpen – das Hexenwasser. 

Es sind sechzig Stationen rund um das Bergwasser, zu denen der längste Barfußweg Österreichs führt.


Auf dem höchsten Gipfel, der Hohen Salve, bezaubern die höchstgelegene Kapelle bzw. das Kirchlein mit Aussicht und dem höchstgelegenen Drehrestaurant mit rotierender Panoramaterrasse. Die Gemeinde Ellmau ist eine der am häufigsten gefilmten in Österreich überhaupt. Und zu haben ist auch der schönste Ausblick Tirols mit Sicht auf dreiundsiebzig Dreitausender. Außerdem gehört der Wilder Kaiser zu den größten Gebieten der Welt für E-Bikes und Radtourismus überhaupt.

Verleihstationen gibt es überall, zur Verfügung stehen 275 E-Bikes und dazu fast überall etwa fünfundsiebzig Ladestationen.


Autor des Textes: Hana Filipová

Quelle: E15


Unterkunft

Wilder Kaiser – Brixental